Entwicklung und Komplikationen

Die natürliche Entwicklung des atopischen Ekzems

Die Entwicklung der atopischen Dermatitis kann von einer Person zur anderen sehr unterschiedlich verlaufen. Bei manchen treten nur selten Schübe mit begrenzten Hautausschlägen auf und die Krankheit verläuft sich im Alter von ein oder zwei Jahren, während andere unter den häufigen Schüben leiden, die bis in die Kindheit, ins Jugendalter und teilweise sogar bis ins Erwachsenenalter hineindauern. Bei im Krankenhaus behandelten Patienten konnte beobachtet werden, dass 35% bis 60% der sowohl schweren als auch persistenten atopischen Ekzeme bis zu Beginn des Erwachsenenalters dauerten [i].

Man hat dementsprechend unterschiedliche Entwicklungsprofile in Abhängigkeit des Anfangs- und Endalters erstellt (wobei diese sich insbesondere auf persistente Ekzeme beziehen). Um die Entwicklung aller Fälle von Ekzemen zu kennen, müsste man alle mit atopischer Dermatitis (bzw. atopischem Ekzem) diagnostizierten Patienten vom Kleinkind- bis ins Erwachsenenalter begleiten. In diesem Fall würden die Zahlen ganz anders ausfallen. Vergleicht man die Prävalenzzahlen von Ekzem im Kleinkind- und Jugendalter kommt man zu dem Schluss, dass 90% der infantilen Ekzeme nach ein paar Jahren wieder verschwinden. Dies bedeutet, dass nur 10% der Kinder als atopisch eingestuft werden. Dieser Prozentsatz scheint aber zu steigen, da gewisse Studien von einer Prävalenz der atopischen Dermatitis in der Erwachsenenbevölkerung von zwischen 2 bis 10% sprechen.

 

[i] Wuthrich B. Natural history of atopic eczema. In : Ring J, Perzybilla B, Ruzicka T eds. Handbook of atopic eczema. Springer-Verlag Berlin. 2nd edition, 2006.

Die Entwicklung der Atopie oder der atopische Marsch

Das atopische Ekzem ist eine Krankheit, die vor allem die junge Bevölkerung betrifft: rund 17% der Neugeborenen und der Kleinkinder. Im Alter von 5-6 Jahren beginnen die Abstände zwischen den Schüben in 90% der Fälle zuzunehmen. In den anderen Fällen dauert das atopische Ekzem an oder manchmal kommt es erst im Jugendalter zum Vorschein.  

In diesen Fällen muss die Behandlung mit Dermokortikoiden sofort wiederaufgenommen werden oder bei ausbleibender Verbesserung topische Immunmodulatoren eingesetzt werden (sprechen Sie mit Ihrem Arzt darüber).

Bei Kindern mit einer Krankengeschichte mit Bronchialasthma können die ersten Asthmaanfälle im Alter von 5 Jahren auftreten. Dies ist der sogenannte "atopische Marsch", die sukzessive und "vorhersehbare" Entwicklung atopischer Krankheiten: zuerst das atopische Ekzem, dann Asthma und schlussendlich eine Rhinokonjunktivitis. 

Auftreten des Ekzems in Abhängigkeit des Alters (laut einer Studie des Instituts für Mütter der Stiftung für Atopische Dermatitis).

Auftreten des Ekzems in Abhängigkeit des Alters

Chronologisch gesehen ist das atopische Ekzem der erste körperliche Ausdruck einer Atopie bei einer Person. Die Krankheit tritt üblicherweise in den ersten drei Lebensmonaten auf.

 

Die Risikofaktoren des atopischen Marsches

Tritt das atopische Ekzem auf, ist es natürlich wissen zu wollen, wie sich die Krankheit mit dem Alter weiterentwickelt. Die Frage stellt sich, ob sie mit 5-6 Jahren verschwinden wird oder sich gemeinsam mit anderen atopischen Krankheiten fortsetzt.  

Folgende Risikofaktoren könnten zum Auftreten von Atemwegsbeschwerden führen:

  • Familiäre Vorgeschichte (Vater und Mutter) mit Asthma oder allergischer Rhinitis
  • Frühes Auftreten des Ekzems
  • Schwere des Ekzems (hoher SCORAD)
  • Vorliegen gewisser biologischer Anzeichen von Atopie, die mittels eines positiven Intrakutantests bzw. hohen spezifischen IgE im Zusammenhang mit den wichtigsten Atopenen (Atemwegs- oder Nahrungsmittel-Allergene der Atopie) aufgezeigt werden.
  • Der mütterliche Tabakkonsum spielt ebenfalls eine Rolle, denn er fördert die Überreaktion der Bronchien, die neben der Entzündung einer der Mechanismen von Asthma darstellt.

Müssen systematische Haut- und Bluttests auf Allergien bei Kindern mit einem Ekzem durchgeführt werden, um zu wissen wie sich die Krankheit weiterentwickeln wird?

Derzeit ist man sich mit der Antwort nicht einig. Allergologen raten üblicherweise dazu, die Tests durchzuführen und so eine eventuelle Atemwegssensibilität voraussagen zu können und, gegebenenfalls, Ratschläge zu den Allergenen zu geben, die man vermeiden sollte.

Dermatologen aber raten von diesen Tests ab, denn in der Praxis nützen diese Ergebnisse nur wenig oder gar nicht, wichtig ist nur die Behandlung des Ekzems. Eine effiziente Behandlung ändert natürlich nichts an der genetischen Veranlagung, hilft jedoch beim Wiederaufbau einer funktionierenden Hautbarriere, die das Eindringen von Allergenen aus der Umgebungsluft verhindert.

Die Koexistenz von Ekzem und Asthma führt zum sogenannten dermorespiratorisches Syndrom, eine der schwersten atopischen Erscheinungsformen. In der Praxis bedeutet dies, dass sowohl das Ekzem als auch das Asthma behandelt werden müssen, wobei die Koexistenz außer Acht gelassen wird, da diese beiden Krankheiten unabhängig voneinander sind. Diese Tatsache sollte nicht vernachlässigt werden, denn lange Zeit wurde angenommen, dass sich Asthma und Ekzem abwechselten und dass das Verschwinden des Ekzems das Asthma auslöst. Tatsächlich existieren drei verschiedene Situationen: 

  • Patienten (der Großteil) bei denen das Asthma und das Ekzem sich unabhängig voneinander entwickeln ; 
  • Patienten, bei denen sich die beiden Krankheiten abwechseln, was zu dieser fälschlichen Annahme geführt haben könnte, dass Ekzeme nicht geheilt werden können; 
  • Patienten, bei denen es keine offensichtliche Beziehung zwischen den beiden Krankheiten gibt.

Komplikationen des atopischen Ekzems

Die atopische Dermatitis kann zu infektiösen Komplikationen führen, die zwar eher selten auftreten aber bekannt sein sollten.

Ein Beispiel für eine Komplikation des atopischen Ekzems ist Herpes und der Staphylococcus aureus.  Diese können bei einer Superinfektion auftreten.

stapphyloccoque complication de l'eczema-atopique

Staphylococcus aureus

Die Kratzverletzungen des atopischen Ekzems können zu einer Bakterien-Superinfektion führen, die in den meisten Fällen von einem Staphylococcus aureus hervorgerufen wird. Treten gelblich nässende Pusteln oder Krusten auf, sollte ein Arzt herangezogen werden, da umgehend eine Behandlung mit Antibiotika verschrieben werden sollte.

 

 


erythrodermie complication de l'eczema-atopiqueErythrodermie

In seltenen Fällen kann es zu einer Erythrodermie, einer Komplikation des atopischen Ekzems kommen. Unter diesem seltenen Syndrom versteht man eine meist langwierige Rötung des gesamten Hautorgans (mehr als 90% der Körperoberfläche) gemeinsam mit einer Schuppung der Haut. Es kann zu schwerem Pruritus sowie Ödemen kommen. Die Schleimhäute (Mund, Bindehaut etc.) können ebenfalls befallen sein.

Bei dieser Krankheit handelt es sich um einen dermatologischen Notfall, der in einem spezialisierten Krankenhaus stationär behandelt werden muss.

 

 

 

molluscum contagiosum  complication de l'eczema-atopiqueMolluscum contagiosum oder Dellwarzen

Diese durch eine Virusinfektion hervorgerufene Krankheit bezeichnet knötchenartige, runde, rosa oder hautfarbene Hauterscheinungen.  Die Warzen sind meist reiskorn- oder linsengroß, selten größer. Eine kleine Wunde oder ein Hautkratzer reichen, damit der Virus sich im Körper ansiedeln kann. Daher sind Kinder mit atopischem Ekzem besonders anfällig (da sich die Kinder oft durch das Kratzen verletzen). Es dauert zwischen 2 Wochen und 6 Monaten bis die ersten Läsionen und anschließend Warzen zu sehen sind.
Durch das Kratzen wird die Infektion verteilt sowie das Risiko einer Bakterien-Superinfektion erhöht.

 

 

 

herpès complication de l'eczema-atopiqueHerpes-Virus

Das Herpes-Virus kann zu Komplikationen bei Läsionen atopischer Dermatitis führen. Bei einer Herpes-Superinfektion treten Symptome wie Fieber, ein sich rapide veränderndes Erscheinungsbild der Läsionen (Auftreten von kleinen Bläschen) und ein sich insgesamt verändernder Allgemeinzustand auf. In diesem Fall sollte umgehend ein Arzt zu Rate gezogen und eine Antivirus-Behandlung verschrieben werden.

 

 

 

 

In jedem Fall sollte die Entwicklung eines Herpes zu einer chronischen Krankheit und zu einer schweren Form des Ekzems verhindert werden. Deshalb müssen Kinder bei Auftreten der ersten Symptome dementsprechend richtig und ausreichend behandelt werden. Auf den entzündlichen Stellen müssen Dermokortikoide einmal täglich und in ausreichender Menge ("Eincremen der Zone") 8 bis 10 Tage lang bis zum vollständigen Verschwinden der Läsionen angewendet werden. Diese können ganz plötzlich verschwinden. Treten neuerliche Rötungen auf, sollte die Behandlung sofort wiederaufgenommen werden. Die Pflegesalbe spielt ebenfalls eine grundlegende Rolle, denn sie hilft beim Wiederaufbau der Hautbarriere. Diese sollte morgens und abends auf dem gesamten Körper (ausschließlich nässender Zonen) angewendet werden.