Ekzem: welche Risiken gibt es bei Tätowierungen?

Di, 30/05/2017 - 09:00
Ekzem: welche Risiken gibt es bei Tätowierungen

Von Dr. Nicolas Kluger

Dermatologe

Abteilung für Dermatologie, Universitätskrankenhaus Helsinki, Helsinki, Finnland

Praxis „Tätowierungen und permanentes Make-up“, Abteilung für Dermatologie, Krankenhaus Bichat-Claude Bernard, Paris, Frankreich

 

Was ist eine permanente Tätowierung?

Beim Tätowieren werden Pigmente und Farbmittel in die Haut eingebracht, um mittels einer Tätowiermaschine ein permanentes Bild unter der Haut zu stechen. Seit rund zwanzig Jahren erlebt die Tätowierkultur einen regelrechten Boom.

Tätowiergerät

Tätowiergerät

Welche Risiken gibt es bei Tätowierungen?

Das Stechen einer Tätowierung birgt gewisse Risiken

Beim Tätowieren wird die Hautbarriere durchbrochen und kleine Gefäße der Haut verletzt. Die Anwesenheit von Fremdkörpern in der Haut können zu sogenannten allergischen Reaktionen oder spezifischen, lokalen Hautproblemen bei Personen mit empfindlicher Haut führen.

Während einer Tätowiersitzung wird mit der Nadel die Hautbarriere durchstochen und eine Bresche entsteht.  Diese kleine Wunde heilt in wenigen Wochen erleichtert aber das Aufkommen von Bakterieninfektionen, insbesondere durch Eintritt von Staphylokokken. Diese Entzündungen sind glücklicherweise selten und entwickeln sich in den meisten Fällen positiv. Der Tätowierer desinfiziert die Haut während des Eingriffs regelmäßig. Anschließend muss der Kunde während der Heilungsphase und sofort nach der Sitzung die Tätowierung mehrmals und regelmäßig mit Seifenwasser reinigen. Seife ist ein hervorragendes Desinfektionsmittel, mit dem Hautentzündungen wie durch Bakterien hervorgerufene Follikulitis oder Furunkel, vorgebeugt werden kann. Im Allgemeinen treten schwere Infektionen mit klassischen Keimen wie Staphylokokken oder atypischen Keimen (Mykobakterien) nur dann auf wenn der Tätowierer unter unreinen und nicht hygienischen Bedingungen arbeitet oder wenn der Kunde nicht die vom Tätowierer empfohlenen Pflegen einhält.  Manchmal können auch Viruswarzen auf Tätowierungen aus bisher unbekannten Gründen auftreten. Man nimmt an, dass diese bereits vor der Tätowierung auf der Haut präsent aber mit bloßem Auge nicht sichtbar sind (oder vom Tätowierer nicht erkannt wurden) und anschließend durch die Linienführung der Tätowierung verteilt werden.

Die Risiken bei Virusinfektionen

Während des Tätowiervorgangs blutet die Wunde und es kann zu einer Kontamination mit durch das Blut übertragbare Viren wie Hepatitis B, HIV/AIDS und insbesondere Hepatitis C kommen. Vor mehreren Jahren wurden mehrere Fälle von Hepatitis C-Infektionen nach einer Tätowiersitzung gemeldet. Die Kontamination ist auf die fehlende Hygiene (Asepsis) des Tätowierers zurückzuführen, der Material oder sogar Nadeln bei mehreren Kunden verwendet ohne diese vorher zu sterilisieren. Heute verwenden „Profi-Tätowierer“ entweder Wegwerfnadeln oder sterilisierbares wiederverwendbares Material. Dank dieser Vorkehrungen und wurde die Tätowierung in einem speziell dafür vorgesehenen Studio durchgeführt, sind Infektionen mit dem Hepatitis C-Virus heute eine Ausnahme, um nicht zu sagen unmöglich. 

Allergische Reaktionen auf Tätowiermittel

Hierbei handelt es sich um die häufigste Komplikation nach einer Tätowierung. Die Reaktionen zeichnen sich durch eine juckende und geschwollene Tätowierung aus - manchmal nach dem Sonnenbaden - und mehr oder minder ausgedehnten juckenden Läsionen. Im Allgemeinen ist davon nur eine Farbe betroffen (meistens die rote Farbe, kann aber bei allen Farben vorkommen). Diese Art von Reaktion ist unvorhersehbar und kann innerhalb weniger Monate bis mehr als 40 Jahre nach der Tätowierung auftreten. Auch heute noch kann eine solche Reaktion nicht vorhergesagt werden.

Allergische Reaktionen auf Tätowiermittel

Diese Art von Allergie wird durch Anwendung lokaler Kortikoide behandelt. Diese Behandlungen sind meist nicht zufriedenstellend da die Tinte unter der Haut verbleibt. In manchen Fällen ist die einzige Lösung eine Entfernung der Tätowierung mittels Laser oder Chirurgie.

Ein „Zonentest“ auf einer versteckten Hautstelle ist sinnlos. Es gibt keine Allergietests vor der Tätowierung, mit dem eine Allergie auf ein Tätowiermittel erkannt werden kann.

Derzeit wird über eine Regelung der Zusammensetzung von Tätowiermittel auf europäischer Ebene nachgedacht. In Zukunft könnten so diese Art von Komplikationen eingeschränkt werden und im Fall einer Allergie eines Kunden auf einen bestimmten Bestandteil dieser besser beraten werden.

Derzeit sollte bei einer bereits existierenden Allergie auf ein Tätowiermittel (bestimmte Farbe) diese Farbe unabhängig von der Tätowiermittel-Marke vermieden werden, da bestimmte Bestandteile in verschiedenen Mittel verwendet werden.

Gewisse chronische Hautkrankheiten siedeln sich vorwiegend in Zonen an, die einen Traumatismus, wie eine Tätowierung erlitten haben. Dies kann bei Psoriasis, Knötenflechte, Hautlupus, Sarkoidose oder Vitiligo der Fall sein. Im Allgemeinen wird Personen mit diesen Krankheiten empfohlen sich nicht tätowieren zu lassen, oder dies zumindest nicht während einer aktiven Krankheitsphase (besonders zahlreiche oder große Läsionen) oder einer Behandlung zu tun. Neben einer solchen Läsion zu tätowieren beugt eventuellen Schüben auf einer Tätowierung nicht vor, da es sich um Hautkrankheiten handelt, die die Haut in ihrer Gesamtheit, auch scheinbar „gesunde“ Haut betreffen.

Welche Risiken gibt es bei Tätowierungen von Personen mit atopischem Ekzem?  

Es können die gleichen bereits beschriebenen Komplikationen auftreten (Infektionen, allergische Reaktion usw.). 

Dem derzeitigen Wissensstand nach wurden keine eigens im Zusammenhang mit atopischer Dermatitis auftretende Komplikationen nach einer Tätowierung genannt, wie Schübe des atopischen Ekzems nach bzw. auf der Tätowierung oder am Körper.

Die erste Tätowierung kann Befürchtungen oder Stress beim Patienten hervorrufen, was theoretisch einen Schub verstärken oder hervorrufen kann.

Kortikoide oder feuchtigkeitsspendende Cremes können bei Ekzemen auf bereits verheilten Tätowierungen aufgetragen werden. 

Wie sollte vorgegangen werden?     

In jedem Fall sollte man seine Entscheidung sich tätowieren zu lassen gut überlegen und es nicht „spontan“ machen. Eine Tätowierung ist permanent und selbst wenn heutzutage Fortschritte bei der Tattooentfernung erzielt wurden, so ist eine Laserentfernung nicht 100 %ig, ist langwierig, schmerzhaft und teuer. Bei einer chirurgischen Entfernung bleibt anschließend eine Narbe.

Tattooentfernung mit Laser

Tattooentfernung mit Laser

Einen als Profi-Tätowierer eingeschriebenen Tätowierer wählen, der in einem eigens dafür eingerichteten Center arbeitet.

In jedem Fall vermeiden sich zu Hause tätowieren zu lassen. Das Infektionsrisiko ist hoch und das ästhetische Ergebnis meist mittelmäßig (und führt meist zu Bedauern).

Genau alle vom Tätowierer gegebenen Pflegehinweise einhalten. Jeder Tätowierer hat seine Tipps, es gibt jedoch allgemeine Hinweise: nicht Baden (Schwimmbad, Meer), keine Sonne auf der heilenden Tätowierung. Sich 2 - 3 Mal am Tag mit warmen Seifenwasser waschen. Es gibt keine Indikation für eine systematische Anwendung von Desinfektionsmitteln oder antibiotischen Cremes.

Gibt es zusätzliche Vorsichtsmaßnahmen bei einem atopischen Ekzem?

  • Die atopische Haut vor der Tätowierung mit einer guten feuchtigkeitsspendenden Creme vorbereiten und sich bei einem aktiven atopischen Ekzem nicht tätowieren lassen.
  • Den Tätowierer über eventuelle Allergien, insbesondere Desinfektionsmittel oder kosmetische Cremes informieren. Denn Tätowierer verkaufen manchmal oder empfehlen gewisse wundheilende Cremes. Es muss daher sichergestellt werden, dass es während der Heilungsphase nicht zu einer allergischen Kontaktreaktion kommt.
  • Kein guter Tätowierer würde jemals eine Haut mit Läsionen tätowieren.  Soll eine von einem Ekzem befallene Stelle tätowiert werden, muss die Sitzung ausgesetzt und der Rat eines Dermatologen eingeholt oder die Stelle entsprechend, insbesondere mit feuchtigkeitsspendenden Cremes oder Dermokortikoiden behandelt werden. Die Tätowierung kann dann nach Beendigung der Behandlung mit Kortikoiden oder Tacrolimus/Primecrolimus gestochen werden.
  • Sprechen Sie mit Ihrem Dermatologen über Ihren Wunsch sich tätowieren zu lassen um den besten Zeitpunkt festzulegen.
  • Bei einer Behandlung mit Immunsuppressiva wie Methotrexat, Azathioprin oder Ciclosporin muss mit dem verschreibenden Arzt über den Tätowierwunsch gesprochen werden.

Was muss ich bei einer Kontaktallergie beachten?

Wie bereits erwähnt muss man bei einer Allergie auf ein Desinfektionsmittel oder auf kosmetische Cremes dies dem Tätowierer mitteilen, damit dieser diese Mittel nicht aufträgt.

Hinsichtlich Metallallergien (Nickel, Kobalt, Chrom usw.) werden die erlaubten Höchstwerte nach Verunreinigungen bzw. Kontaminanten, insbesondere Metalle in Tätowiermitteln und Permanent-Make-up (Metallsalze) in einer Verordnung des Europarats seit 2008 geregelt (ResAP (2008)1), die in Frankreich 2013 übernommen wurde (in Deutschland gibt es seit 2008 die sogenannte Tätowiermittelverordnung (TätoV), die am 1. Mai 2009 in Kraft trat).

Die in Frankreich von Profi-Tätowierern eingesetzten Tätowiermittel müssen die Grenzwerte einhalten und werden üblicherweise in zertifizierten Labors getestet. Bei einer bekannten Kobalt-Allergie wird trotzdem empfohlen auf blaue Pigmente zu verzichten und Patienten mit Chrom-Kontaktallergien empfiehlt man aufgrund von möglich enthaltenen Salzspuren auf grüne Pigmente zu verzichten.

Leider gibt es jedoch für Personen mit einer Nickelallergie keine spezifischen Empfehlungen.